The new beast on the block

fotomauslogoSie ist angekommen: Kurzentschlossen haben wir einen Technik-Update vorgenommen und sind mit diesem wieder ganz vorn dabei, was im Moment Spitze der Aufnahmetechnologie ist. Zum Gerätepark gehört seit heute eine Canon 5Ds R. Ein echtes „Technik-Biest“ mit vor einigen Jahren noch für unmöglich gehaltenen 50,6 Millionen Pixeln in einer Vollformat-DSLR.

Warum der Sprung (von der auch schon sehr guten 5D II)? Weil die Auflösungsreserve an einigen Stellen eben doch den Unterschied macht. Zum Beispiel, wenn es darum geht, bei Großplakatproduktionen einen noch besseren (mittelformatvergleichbaren) Eindruck zu hinterlassen als bislang mit 21 Megapixeln. Aber auch, weil die Ausschnittsmöglichkeiten viel weitreichender sind; zudem bietet die Kamera „Zwischenauflösungen“, die aber immer noch über dem liegen, was bislang „topnotch“ war. Und auch deswegen, weil ein großes Filmnegativ-Archivierungsprojekt einfach nach bestmöglichen Auflösung verlangt, die nicht durch die Pixel, sondern bestenfalls das Filmkorn begrenzt wird. Bei Kleinbild ging das bisher schon recht gut bei 1:1 Maßstab mit den 21 Millionen Pixeln der 5DII, aber bei Mittelformat war dies unzureichend: Erst vier später wieder zu einem Bild zusammengefügte Aufnahmen konnten da kleinbildvergleichbare Qualität liefern, die nun mit der 5Ds R „oneshot“ möglich ist. Das spart Zeit, Geld, Reserven… Und weil Negative und die meisten anderen Objekte nicht sonderlich zu Moiré neigen, haben wir uns für die „R“-Version der 5Ds entschieden, also jene ohne das „Weichzeichnungsfilter“ und mit der heute größtmöglichen Auflösung.

050A1121_kNatürlich wollten wir den Unterschied mal mit eigenen Augen sehen. Herhalten musste als „real world“-Objekt ein Kaktus in der Fensterbank (weil der so schön still hielt) 😉 Das große Bild zeigt einen verkleinerten Ausschnitt aus der 5Ds R-Aufnahme. Im Vergleich dann ein original großer Ausschnitt aus der 5Ds R (links) im Vergleich zum selben Ausschnitt aus der 5DII, der zur gleichen Große natürlich auf etwa 200 Prozent hochgezogen werden musste. Nix aus dem Testlabor, aber doch schon ein ansehnlicher Vergleich, um die Unterschiede zu sehen. Das 5dS R-Bild ist einfach besser aufgelöst, was besonders gut an den feinen Pflanzenfäden zu erkennen ist. Selbst das Buket im unscharfen Bereich wirkt angenehmer. Für die ganz harten Technik-Freaks: Aufgenommen mit einem 70-200er II bei 165mm, f:5,6, 1/50 mit Stabi on, 800 ASA!

vergleichWie schrieb ein Rezensent im Internet über diese Kamera: Vorsicht, es besteht Gefahr, dass Sie manches Motiv von früher jetzt noch einmal neu aufnehmen wollen! Durchaus vorstellbar.

Bevor wir aber damit anfangen, haben Sie ja vielleicht einen Auftrag, bei dem es auf diese Auflösung ankommt. Negativdigitalisierung vielleicht, oder ein hauswandgroßes Bild? Sprechen Sie uns an, wir sind bestens für’s Ungewöhnliche gewappnet 🙂

Plane Spotting der anderen Art

logo-brokhill„Plane Spotter“ sind bekanntlich Flugzeug-Verrückte, die vornehmlich rund um große Airports den Fliegern auflauern, um von diesen gute, manchmal auch spektakuläre Bilder einzufangen. Das ist ansonsten nicht mein Metier, aber in einem Sonderfall lege ich mich dann auch mal auf die Jagd: Wenn der Mond günstig steht 😉

Das war am heutigen Einheitssonnabendmorgen mal wieder der Fall. Ein abnehmender Mond am stahlblauen Morgen- und Vormittagshimmel bot beste Voraussetzungen, um Flugzeuge am, im besten Fall auch vor dem Mond zu erhaschen. Wie bei der Jagd auf Wild hat das viel mit Geduld zu tun, und ein bisschen auch mit guter Vorausschau. Bei letzterer hilft ein Werkzeug wie Flightradar24, das mir früh genug „aussichtsreiche“ Kandidaten für einen Mondtreffer anzeigt. So musste ich nicht die ganze Zeit angstrengt aus dem Fenster schauen, sondern neben der Arbeit nur gezielt dann, wenn ein potenzieller Mondschussflieger herannahte.

IMG_7075_kDann kommt das Glück ins Spiel. Einen echten Treffer zu landen, ist einfach nur Glückssache, denn ein paar hunderte Höhenmeter Unterschied, oder die Flugbahn ein Stück zu weit westlich oder östlich, und aus dem Treffer wird eben nur ein naher Vorbeiflug. Wie im Fall dieses Lufthansa-Airbusses, der mit schönem Kondesstreifen heran-, aber eben auch knapp vorbeirauschte. Dann heißt es weiter warten. Und aufmerksam sein, denn Flightradar zeigt zwar die meisten, aber nicht alle Flieger an.

Und so kam der Treffer an diesem Sonnabendvormittag, 3. Oktober 2015 (im Übrigen beileibe nicht mein erster), unerwartet zustande, denn der nicht identifizierte Flieger tauchte ohne Vorwarnung auf – und düste vor dem Mond vorbei. Aus der dabei geschossenen Serie hier das beste Bild.

IMG_7094_kLeider waren die Temperatur- und Feuchtigskeitsschichtungen an diesem sonnigen Einheitstagsmorgen so geartet, dass erst bei mehr als 10.000 Metern Flughöhe auch kurze Kondensstreifen zu sehen waren. Dieser Flieger lag darunter und zog daher keinen Schweif hinter sich her, der die Begegenung bildlich sicher noch hätte schöner ausfallen lassen können. Technik bei allen Bildern im Übrigen eine Canon 5DII an einer 1000mm-Russentonne f:10 bei 1/250sec und 800 ASA, alles freihand! Das Bild wurde anschließend mit einem Flatfield von Vignetten befreit, gecropt und im Kontrast  angehoben. Die Unterschiedlichkeit der Farben hat mit dem jeweiligen Aufnahmezeitpunkt zu tun.

IMG_7116_kZu einem weiteren Treffer kam es dann nicht mehr, nur noch ein weiterer naher Vorbeiflug am inzwischen immer tiefer stehenden Mond, diesmal mit einem Flieger der Tunisian Airlines auf dem Weg nach Skandinavien.

Aufnahmen dieser Art sind – von der Notwendigkeit einer ziemlich langen Brennweite einmal abgesehen – einfacher als vielfach gedacht. Es bedarf angesichts des heute enorm dichten Flugverkehrs nur Geduld und des richtigen Monents am rechten Platz = Glück.

That „bloody“ red harvest moon

logo-brokhillSeit mehr als 40 Jahren befasse ich mich mit den Sternen, habe eine eigene Warte daheim, und in den vier Jahrzehnten neben totalen Sonnenfinsternissen auch zahlreiche Mondfinsternisse gesehen. An sich Voraussetzungen, die bei einem Ereignis wie der Finsternis vom vergangenen Montagmorgen (28. September) nach einer professionellen Vorbereitung schreien, mit der dann auch deutlich andere als die gemeinhin üblichen Bilder eines solchen Himmelsereignisses möglich gewesen wären. Doch damit war’s auch diesmal nichts.

In der Woche durch jede Menge unerwartete Arbeit keine Zeit, am Wochenende zu kapput, und das Wetter zu unsicher, mindestens hier im Norden, um für eine frühmorgendliche Finsternis am 1. Arbeitstag der Woche große Pläne zu schmieden. So blieb es wie oft bei der Improvisation: Standards gehen immer, die Sternwarte steht im Garten, und nach einem schnellen Blick zum Himmel kurz vor 3 Uhr MESZ war klar: Es würde was zu sehen sein, denn der angedrohte Nebel war noch nicht aufgezogen.

Spät bin ich in diIMG_7009_ke Beobachtung gestartet – der Mond war schon „angebissen“ – und habe dann einfach am Refraktor (180mm Linse mit 1600mm Brennweite = f:9) mit der Canon 5DII alle fünf Minuten Bilder gemacht.  Das links entstand gegen 3:30 Uhr und ist nur skaliert, ansonsten so wie aus der Kamera. Aufgenommen bei 400 ASA, 1/320 sec, widerstehen diese Bilder ansonsten gängigen Bearbeitungsversuchen insofern, dass diese die tatsächlich vorgefundenen Lichtverhältnisse verfälschen. Nur im unveränderten Bild ist so schön der Übergang in die Kernschattenzone mit dem davor noch liegenden, beinahe unscheinbaren Halbschatten zu sehen.

IMG_7008_kDer einzige Unterschied zur Beobachtung mit dem Auge liegt in der in einer Belichtung nicht abbildbaren Dynamik. Die Mondoberfläche im beleuchteten Teil verlangte eine 1/320 sec, der Kernschattenbereich war nicht schwarz, aber so dunkel, dass Strukturen erst ab etwa 1/10 sec. abgebildet werden konnten wie im nebenstehenden Bild, das zudem leicht aufgehellt ist, um es deutlicher zu machen. Eine Wiedergabe des visuellen Eindrucks wäre also nur mit einer Montage möglich.

In gewisser Weise gilt das noch extremer für die totale Phase, die zudem bei dieser Finsternis sehr dunkel war – bei mir zuletzt dann durch Nebel auch bis zur völligen Unsichtbarkeit 😉 Bilder während der Totalität bemessen sich trotz deutlich gesteigerter ASA-Werte dann immer noch in Sekunden statt Bruchteilen dieser.

IMG_7041_kDie nebenstehende Aufnahme entstand gegen 4:30 MESZ, also noch vor der Mitte der Totalität (dann wäre der helle Rand in etwa links unten am Mondrand gewesen). Bei nunmehr 1600 ASA war der Verschluss 5 Sekunden offen! Ein Unterschied von mehr als acht Blendenstufen zum ersten Bild oben, wenn ich richtig gerechnet habe. Die beiden Pünktchen über dem oberen Mondrand (nur im Großbild nach Anklicken zu sehen) sind keine Pixelfehler, sondern in der Tat zwei Sterne, von denen der linke wenig später hinter dem Mond verschwand.

Scharf wird ein solches Bild natürlich nur an einem motorisch nachgeführten Teleskop, denn der Mond bewegt sich, und die Erde dreht sich, beides muss eliminiert werden bei der Brennweite und Belichtungszeit.

Leider war’s danach wegen raschen Nebelaufzugs schon bald vorbei, was mich in dem Ansinnen bestätigte, keinen großen Aufwand zu treiben und mit dem einfach Möglichen von daheim zu arbeiten. Für die ganz großen Bilder ist in aller Regel auch ein sehr großer Aufwand erforderlich: Wer im Netz mal ein bisschen herumschaut, wird das bestätigt finden: Wirklich tolle Bilder mit Wow-Effekt haben meistens viel Planung und Mühen gekostet. Ist nun mal so. Bis zur nächsten Finsternis, das wird vermutlich mal wieder eine Reise zu einer totalen Sonnenfinsternis.

Astrogrüße diesmal

Rudolf

Kodak Technical Pan 6415 – kennen Sie den noch?

logo-brokhillAls Fotografierender, der sein Hobby zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts aufgenommen hat, habe ich über 30 Jahre Analogzeiten mitgemacht. Samt umfangreicher Dunkelkammererfahrung in SW und Farbe. Davon kommt man auch nach einem radikalen Schnitt Ende der 90er nicht so einfach los, und irgendwann im letzten Jahr juckte es gewaltig, mal wieder was auf Film zu machen. Ein paar davon hatte ich noch in einer Schuhschachtel aufgehoben – man weiß ja nie 😉 Inzwischen fotografiere ich neben digital hin und wieder auch gern mal analog. Und um der Sache einen eigenständigen Sinn zu geben, ausschließlich Schwarz-Weiß und mit höchstauflösenden Filmen.

Da fanden sich in dem Karton neben KB-Filmen auch sechs Packungen eines legendären Materials: 120er Rollfilme Kodak Technical Pan 6415! Für die Kleinbildfilm habe ich mir meine guten alten Canon F1-Modelle für kleines Geld wieder ins Haus geholt; allein das nostalgische Gefühl, sie in der Hand zu halten, hat schon was…  Für die Rollfilme musste was anderes her, und nach kurzer Marktsondierung wurde es ein echter Brecher: eine Mamiya RB 67 mit einem 65 und einem 127mm-Objektiv. Eine ganz andere Welt der Fotografie.

2015_09_18_0001bNun war der erste Technical Pan in der Kamera (an die ich mich vorher mit anderen Filmen wie Agfapan schon mal gewöhnt hatte). Da ich meine Kleinbildfilme entweder in Ultrafin bzw. die speziellen Adox CHS 20 in Adotech II-Entwickler bade, suchte ich im Internet nach Lösungen für den Tech Pan, fand aber keine brauchbaren Hinweise darauf, dass der Adotech mit ihm zusammen was Sinnvolles ergibt – und vor allem bei welchen Zeiten und ASA. Selbst der Hersteller der Chemie antwortete nicht einmal auf eine Nachfrage…

Also: Versuch macht klug. Ich habe es gewagt, und dabei wie so oft früher lieber etwas mehr als zu wenig gemacht. 10 Minuten in der normalen Ansatzlösung sind beim Adox gut für etwa 20 ISO, da der Tech Pan fast so belichtet worden war (25 ASA), habe ich das als Mindestmarke genommen. Im Ergebnis war das aber schon deutlich zu satt, die hellsten Bildteile sind im Negativ fast dicht. Besser wären 8 bis 8,5 Minuten gewesen, vielleicht auch eine ISO höher als 25 ASA an der Kamera, wie eigentlich am Film auch angegeben. Da der aber Ablauf November 1993 hatte, war ich von einem Empfindlichkeitsverlust ausgegangen, der vielleicht gar nicht eingetreten ist…? Der nächste Film wird’s zeigen.

Natürlich habe ich für die Analog-Exkursionen keine Dunkelkammer wieder eingerichtet. Die Negative werden auf einer Leuchtplatte (noch Marke billig, aber wegen Defekts gerade in Ersatz durch was Besseres) abfotografiert und dann elektronisch in Lightroom und PS weiterverarbeitet. Das gesamte 6×7-Negativ hat hier im Ergebnis der Canon 5DII 22 Milionen Pixel. Die können natürlich die vollen Fähigkeiten eines TP niemals wiedergeben, das Korn ist feiner als die Pixelmatrix. Unschärfen im (für das Internet zudem verkleinerten) Bild oben sind dabei eher auf die Freihandaufnahme zurückzuführen als auf den Film.

2015_09_18_0003bUm die Grenzen auszuloten, habe ich daher auch noch einen Ausschnitt mit dem 100er-Makro bei 1:1 aufgenommen, ich musste dabei vier Bildteile aufnehmen, um wieder das Ganze zu erhalten. Dergleichen Verfahren hat aus einem 6×7-Negativ eine rund 45 Millionen Pixel große Digitaldatei gemacht. Was in etwa einem echten Mittelformat adäquat wäre. Am – zudem leicht geschärften und kontrastbearbeiteten – Ausschnitt in Originalauflösung ist schon zu erahnen, welch ungeheures Potenzial an Detailauflösung in einem solchen Negativ dieses Films und bei dieser Größe steckt. Nun ist auch das Korn erkennbar.

Das Experimentieren geht natürlich weiter, wobei neben dem technischen Bereich vor allem die ganz andere Art, sich sehr viel Zeit zu nehmen, viel gezielter Motiv und Moment auszusuchen, den Reiz ausmacht. Gekoppelt mit den Nachbearbeitungsmöglichkeiten moderner Digitaltechnik schafft es eine neue Form der Hybridfotografie.

Wen das Motiv interessiert: Das Bild entstand im am Pfingstsonnabend dieses Jahres im polnischen Lagow (Lebuser Land, Nähe Swiebodzin) bei einer Nostalgiefahrt der polnischen Eisenbahnfreunde mit der 49-69 auf der eigentlich längst stillgelegten Strecke, die aber für solche Fahrten bis zu dreimal im Jahr noch genutzt wird. Wer mehr darüber wissen möchte: Suchwort „Joannita Perla“ eingeben.

Analogen Gruß

Rudolf

Mit Improvisation zum gewünschten Ergebnis

fotomauslogoFür das Sole-Waldschwimmbad in Bad Gandersheim (www.solebad-gandersheim.de) arbeiten wir zur Zeit an einer Kampagne. Eines der dafür angestrebten Bilder sollte eine Sportschwimmerin aus der Unterwasserperspektive zeigen. Um eine möglichst dramatische Beleuchtung zu bekommen, war als Hauptlichtquelle ein Studioblitz an Land vorgesehen. Normalerweise wird er per Funk ausgelöst. Das geht aber aus dem Unterwassergehäuse heraus nicht und eine Kabellösung schied auch aus. Mit viel Improvisation sind wir dann aber doch zu diesem tollen Ergebnis gekommen:

IMG_5015_kGelöst wurde das Problem über eine „Auslösekette“. Am Unterwassergehäuse blitzte bei der Aufnahme der Inon-Blitz. Er löste einen zweiten kleinen Unterwasserblitz per Slave aus, der am Rand so positioniert war, dass sein Blitz nach oben außerhalb des Beckens gerichtet war. Hier nahm ein weiterer Slave-Auslöser den Blitz auf und löste seinerseits einen Canon EX 580II aus, der wieder den Impuls für den Slave-Empfänger des Elinchrom Studioblitzes mit 500 Ws lieferte. In 80 Prozent aller Fälle funktionerte diese Auslöserkette bestens.

Weitere technische Daten des Bildes: Canon 5DII, 125 ASA, 1/160 sec (max. Sync für den Studioblitz), 24mm bei f:6,3. Bearbeitung in Lightroom.

Aus fotografischer Sicht war es dabei am schwierigsten, den passen Moment zu treffen, wo Ausschnitt und Bewegung am besten zueinander passten. Die Ausbeute konnte sich am Ende aber überaus sehen lassen.

Das fertige Ergebnis wird bald als großes Bild am Sole-Waldschwimmbad zu sehen sein. Dank gilt an der Stelle auch noch den beiden Schwimm-Models, Annina und Amelie Tschäpe, die über mehr als eine halbe Stunde immer wieder neu angeschwommen sind.

Meerjungfrauen – mal im See

logo-brokhillUrlaub zuende – und Hunderte von MB an neuen Bildern auf der Festplatte. Eines unserer großen Ziele war, endlich mal dem nur Pool oder Hallenbad gewohnten Unterwasserghäuse die freie Wildbahn vorzuführen, und dabei auch zu ein paar schönen Aufnahmen zu kommen. Beinahe wäre das Unterfangen durch den schönen Sommer vereitelt worden, denn die Wärme hatte den Anteil an Algen und Schwebeteilchen im warmen Wasser des Lagower Sees (Lebuser Land, Polen) so hochgetrieben, dass kaum mit guten Ergebnissen zu rechnen war, die halbwegs klare Sichtweite betrug nur etwa eineinhalb bis zwei Meter. Doch glücklicherweise waren die Sichtverhältnisse im nördlichen Teil des durch Lagow getrennten Seentals deutlich besser, so dass an einem warmen Tag unser Fotoshooting im See möglich war. Mit etwas Aufwand, denn alle Sachen, Gehäuse, Utensilien, Badezeug etc., mussten per Fahrrad zum Tretboot geschafft werden, um dann auf dem See zu den am Ende drei Shooting-Locations geschippert zu werden.

IMG_6079_kAlina (14, links) und Anika (9) sowie Beata posierten reihum als Models. Äste umgestürzter Bäume und Unterwassergewächse dienten als Kulisse, die Sonne als hellste Lichtquelle mit teilweise wunderschönen Strahlen, zur Aufhellung der Blitz am Unterwassergehäuse. Fast alle Bilder wurden mit dem 24er Weitwinkel aufgenommen, um den Abstand möglichst gering und damit den Kontrastverlust durch Trübung so klein wie möglich zu halten.

IMG_6164_kGemeinsame Erfahrung: Outdoor-Shooten ist deutlich anstrengender als im Hallenbad oder natürlich erst recht einem kleinen Pool. Die ganze Zeit Strampeln oder Rudern kosteten ordentlich Kraft (Flossen oder Neopren waren nicht im Spiel, getaucht wurde ohne Gerät!) Die Ergebnisse aber lohnten den Aufwand. Es entstanden Bilder, wie sie sonst allenfalls als Komposit möglich waren.
An den beiden gezeigten Bildern wurden nur Helligkeit und Kontrast (Klarheit) sowie Farbe und Schärfe angefasst, sonst nichts verändert. Bearbeitet in Lightroom.

Demnächst mehr Bilder aus diesem Shooting in einer Galerie.

Perseiden waren den Sternen schnuppe…

logo-brokhillAlle Jahre wieder durchkreuzt die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne im August die Bahn des Kometen Swift-Tuttle. Dessen „Staubspur“ lässt – besonders um den 11./12. August herum – die Zahl der Sternschnuppen am Nachthimmel deutlich emporschnellen: Es ist Perseiden-Zeit. In diesem Jahr eine besonders günstige, denn der Mond stand zur Maximumszeit zwei Tage vor Neumond, konnte also die ganze Nacht über die Beobachtung nicht stören, und es war ausnahmsweise auch mal wieder gutes Wetter avisiert. Also: Raus aus der Stadt, rauf auf den Kühler, wo man etwas außerhalb der Lichtglocke einen einigermaßen dunklen Himmel vorfindet. Mit viel Hoffnung auf gute Bilder habe ich mich vom 11. auf den 12. dort etwa zweieinhalb Stunden in den Liegestuhl gesetzt und versucht, die flüchtigen Gesellen einzufangen.

Was nur mäßig gelang. Gerade mal zwei Meteore waren später in den Bildern nachweisbar. Etwa zehn hatte ich gesehen, einige außerhalb des aufgenommenen Gesichtsfeldes, die anderen einfach zu schwach. Eine magere Ausbeute, die noch durch zwischenzeitlichen Wolkenauf- und -durchzug beeinträchtigt wurde. Hier das Bild mit dem hellsten Meteor, das etwa eine mag von -1 erreichte und knapp neben dem Andromedanebel noch in mein Bildfeld kam, das leicht um die Vignette beschnitten wurde.

perseidTechnische Daten: 11. August, ca. 23:38 MESZ, Canon 5DII, 18mm/f:2,8, 3200 ASA, 30 sek.

Bearbeitet in Lightroom und PS (Kontrast, Helligkeit, Farbe, Rauschen); verkleinert auf 1600 Pixel lange Kante.

Die rosa Himmelsaufhellungen stammen von Wolken bzw. Dunst.

Mit den Schnuppen ist es wie mit Blitzen: Man weiß nie, wann und wo eine kommt. Auf rund 250 Bilder Einsatz hätte aber durchaus mehr dabei sein dürfen. Vielleicht geht ja noch was in den Tagen nach dem Maximum am 12. August, der Meteorstrom ist breit und länger anhaltend.

Domfestspiele – die fünfte Jahreszeit in Bad Gandersheim

fotomauslogoSeit 1959 hat Bad Gandersheim Freiluftfestspiele, die Domfestspiele, die seither jährlich im Sommer vor der Stiftskirche (die eigentlich gar kein Dom war und ist) stattfinden. Früher vornehmlich der Klassik gewidmet mischt sich diese heute eher unter das überwiegende Musiktheater. In der diesjährigen 57. Auflage wurden neben „Die Comedian Harmonists“ die Rockoper „Jesus Christ Superstar“, „Wie es euch gefällt“ von Shakespeare und als Kinderstück „Eselhundkatzehahn“, eine Abwandlung der Bremer Stadtmusikanten gespielt. Als „Studiostück“ läuft im Kloster Brunshausen diesmal der Monolog „Judas“. Die Domfestspiele gehen noch bis zum 16. August.

domfestspieleBondage und Peitschenspiele vor der über 1200 Jahre alten Stiftskirche? Nein, das Bild zeigt eine Szene aus der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ von Webber und Rice.

Seit vielen Jahren begleiten wir die Domfestspiele fotografisch. Dabei erstellen wir bei allen Stücken die Fotografien, die später als Pressebilder von den Festspielen verschickt werden, im Journal und Sonderausgaben auftauchen, die Programmhefte bebildern, den Web-Auftritt der Festspiele schmücken (http://www.gandersheimer-domfestspiele.de/) und zu guter Letzt mit je einem Motiv pro Stück in Großformat in den Schaukästen an der Tribüne hängen. Alles aus einem Guss  – von der Aufnahme bis zum Großdruck aus dem eigenen Hause.

Daneben gibt es seit ein paar Jahren eine Aktion, mit Großbildern (1,12m breit, bis zu 1,70m hoch) einige leerstehende Geschäfte in der Innenstadt attraktiver zu gestalten. Die wiederum wird außerhalb der Festspiele durch die einheimischen Händler und Betriebe gesponsert und so als Zusatzleistung für die Festspiele werben und ein Stück mehr Atmosphäre in die Stadt bringen.

Für uns ist diese „fünfte Jahreszeit“ in Bad Gandersheim immer eine sehr geschäftige, denn alles muss auf den Punkt passen: An einem Dienstagabend zum Beispiel eine Fotoprobe, anschließend sofort Bilder aussortieren (gemeinhin zwischen 1100 und 1500 aus zwei Kameras), DVD brennen und der Intendanz nachts zur Auswahl bringen, weil am nächsten Morgen die Programmheftmotive ausgesucht und zum Versand fertiggemacht sein müssen. Dann Pressebilder, CD’s damit brennen, Schaukastenbild bearbeiten und drucken, aufhängen, alles in nur zweieinhalb Tagen vor der Premiere, und das bis zu fünfmal pro Spielzeit.

Viel Arbeit, aber auch jede Menge Spaß und Kreativität. Immer wieder eine neue Herausforderung, sich auf die Inszenierungen einzulassen und die besten Motive und Blickwinkel zu finden – was meistens im ersten Anlauf sitzen muss. „Nachschuss“ geht nur äußerst selten, wenn mal das Wetter nicht mitgespielt hat. Schade, dass alles schon bald wieder vorüber ist, kaum dass man angefangen hat… Dann bleibt in der Zwischenzeit nur die Freude auf’s nächste Jahr.

H2O – plötzlich Meerjungfrau

fotomauslogoZu den aktuell stark nachgefragten kommerziellen Fotoangeboten der Foto-Maus gehören die Meerjungfrauen-Bilder. Ein Betätigungsfeld, das seit Februar 2015 im Bad Gandersheimer Sole-Waldschwimmbad (http://www.solebad-gandersheim.de) durch die seither regelmäßig stattfindenden Kurse seine Basis gefunden hat.

Die Hannoveraner Tauchlehrerin Katrin Felton (http://meerjungfrau-model.de/) macht’s möglich. Bei Einsatz in fernen Ländern auf Tauchbasen hat sie das Angebot entwickelt und nach Deutschland gebracht, wo sie es von Hannover aus in Bädern des Umlandes anbietet. So jetzt eben auch in Bad Gandersheim.

mermaidsNatürlich möchten die – meistens weiblichen  – Teilnehmer (es haben hier aber auch schon Jungen an den Kursen teilgenommen) von ihren ersten Unterwassererlebnissen als Meerjungfrauen oder Meerjungmänner gern Bildeindrücke. Und da kommt die Foto-Maus ins Spiel.

Mit langer Erfahrung im Bereich Unterwasserfotografie haben wir uns als Begleiter der Kurse dieser Aufgabe angenommen. Fotografiert wird dabei während des 90-minütigen Kurses, was die Sache anstrengend und sehr lebendig macht, denn als UW-Fotograf muss ich dafür sorgen, dass am Ende von jedem Teilnehmer, der das Foto-Basispaket gebucht hat, auch genügend gute Bilder dabei gewesen sind. Das hat aber bisher immer geklappt.

Fotografiert wird mit einer Canon 5DII in einem Ikelite-Gehäuse, an dem ein Inon-Blitz für Zusatzlicht unter Wasser sorgt. Als Objektiv kommt meistens ein 24-105 mit Vorsatzlinse in den Dom des Gehäuses, wobei die meiste Zeit die kürzeste Brennweite zum Einsatz gelangt.

Die Art der Aufnahmebedingungen sorgt natürlich eher selten für künstlerischen Highlights – dafür gibt es ja die Individualshootings mit weitaus mehr Möglichkeiten, auch in der späteren Nachbearbeitung -, die Bildergebnisse sind aber dennoch weit besser als mit gewöhnlichen Schnappschüssen heute schon vielfach vorhandener Unterwasserkameras (und mancher Handys) möglich wäre.

Da wir das Angebot im Zusammenwirken mit dem Solebad machen, kostet das die Teilnehmer zum Kurspreis (27,50 Euro) nur zehn Euro extra für ein Mindestmaß von fünf guten Einzelbildern und einem Gruppenfoto. Das ist doch wohl eher geschenkt, oder? Da beide Seiten (Bad und Fotografen) aber damit wunderbar leben können, ist’s zunächst damit auch gut so.

Zusammengefasste Eindrücke von einem Doppelkurs findet ihr in diesem Übersichtsbild:  http://www.diefotomaus.de/wordpress/meerjungfrauen.jpg

Infos über die Kurse (der von heute ab nächste am Sonnabend, 15. August 2015, 9.30 Uhr) unter der Solebad-Internetadresse oben.

Nächtliches Blitzlichtgewitter

logo-brokhillImmer wieder einmal nehmen wir auch Wetterphänomene auf. So wir in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 2015, als eine von Westen kommende Kaltfront der Hitze des 2. Juli ein Ende setzen sollte. Nächtliche Gewitter waren angekündigt, oft eine sehr fotogene Angelegenheit.

gewitter

Die Front kam sehr langsam voran, was zu einigen stationären Gewitterherden führte. Ein solcher baute sich nach Mitternacht über dem Weserbergland und westlich davon auf und bot mir beste Gelegenheit zu Timelapse-Aufnahmen. Optimiert wurde das Ganze noch durch einen ungestörten Sternenhimmel über dem recht stationären Gewitter und einer durch Mondlicht illuminierten Landschaft.

Leider torpedierte eben dieser Mond meine eigentliche Absicht, mögliche Sprites über dem Gewitter aufzunehmen. Sprites sind schwache Blitze in roter oder blauer Farbe, die weit oberhalb des Gewitterherdes (ca. 80 km Höhe) in den Weltraum schießen. Auf keinem der rund 430 Bilder fand sich von diesem flüchtigen Phänomen eine Spur – entweder, weil dieses Gewitter keine Sprites erzeugte (das tut nicht jedes Gewitter), oder einfach weil der Himmel durch den Mond zu hell war.

Immerhin entstand außer zahlreichen schönen Einzelbildern eines Doppelgewitterherdes auch ein hübsches Timelapse, das den Ablauf von knapp 45 Minuten auf eine zusammenfasst. Hier zu finden: http://www.diefotomaus.de/Video/gewitter030715c1.mp4

Das Video sollte man sich mehrmals anschauen, weil gar nicht alles bei einem Mal zu erfassen ist. Unter anderem findet sich etwa zur Hälfte im linken Gewitterkopf ein Blitz, der nach oben aus der Wolke schlägt. Auch die Sternenbewegung ist ein Beobachten wert. Genießt es.

Für die Techno-Freaks: Aufgenommen am 3. Juli 2015 zwischen 0:47 und 1:30 MESZ mit Canon 5DII, 50/1,4 auf f:1,8, 5 sec. je Einzelaufnahme bei 400 ASA, mehr ließ der Mond nicht zu. Im Timelapse sind 430 Aufnahmen verarbeitet.

LG

Rudolf