Mein „Super-Mond“ vom 23. Dezember 2015

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Viel Arbeit in letzter Zeit ließ wenig Spielraum, mal wieder was zu posten. Ein Projekt darunter war die Fertigstellung meines „Super-Mondes“. Eigentlich besetzt der Begriff einen besonders großen Mond am Himmel, wenn er der Erde an seinem innersten Bahnpunkt am nächsten kommt, am besten bei Vollmond. Der Größenunterschied ist durchaus sicht- und nachweisbar. Mein „Super-Mond“ hat zwar auch was mit Größe zu tun, aber eher der, in der ich ihn an die Wand bringen kann und er trotz der Größe noch immer jede Menge an Detail zeigt, dass den Betrachter bis  direkt vor’s Bild lockt.

Am 23. Dezember bestand eine gute Chance, dieser lang gehegten Idee näher zu kommen: Der Mond war nur zwei Tage von Vollmond entfernt, er stand hoch am Himmel, die Luft war außerordentlich ruhig, und ich konnte die neue Canon 5Ds R in Anschlag bringen, um zu sehen, was 50 Megapixel in der (Mond)Praxis bringen. Aufnahmegerät war ein Celestron 14 mit einer Brennweite von fast 4 Metern. Das bedeutete für die DSLR, dass ich den Mond nicht in eins ablichten kann, sondern nur in zwei Hälften. Die habe ich dann auch jeweils mehrmals aufgenommen bei 400 ASA und 1/320 bzw. 1/400 sec. Je vier Bilder einer Hälfte wurden gemittelt, um das Pixelrauschen für die spätere Kontrastanhebung zu bremsen, die beiden Hälften dann passgenau zusammengebracht und vereint.

Herausgekommen ist – mit ein bisschen Himmel drumherum – ein Masterbild von fast 10.000 x 10.000 Pixeln! Kontrast angehoben, milde geschärft, die Grundlage für einen Supermond-Druck mit 1,12 x 1,12 Metern war gelegt.

Nun hatte ich die gute Luft dieses Abends auch noch für Aufnahmen mit einer SW-Astrokamera genutzt. Die machte bei gleicher Brennweite Bilder mit einem Chip von 1024 x 768 Pixeln. Genaugenommen Videos. Kurze Sequenzen eines kleinen Mondausschnittes von jeweils ca. 1500 Bildern, die dann nach Astronomiegrundsätzen des „lucky imagings“ bearbeitet wurden. Das bedeutet, eine spezielle Software schaut im Video nach der Qualität der Bilder, die besten 20 Prozent von allen wurden ausgewählt und dann zu einem Bildergebnis pro Video addiert. Da durch die Addition eine hohe Rauschfreiheit vorliegt und sogar seeingbedingte Verzerrungen zum Teil ausgemerzt werden, sind Bilder möglich, die eine erhebliche Nachschärfung erlauben. Aber wegen des kleinen Chips eben  nur in eher winzigen Ausschnitten. Die Ergebnisse vom 23. Dezember waren dabei schon sehr gute. In den DMK-Bildern waren Kraterlöchlein von weniger als einem Kilometer Durchmesser auszumachen, das ist schon ziemlich scharf.

Um meinem „Super-Mond“ die Krone aufzusetzen, habe ich die DMK-Bilder in den Canon-Mond an den passenden Stellen eingesetzt. Das hat dort die Auflösung noch einmal drastisch erhöht und ist außerdem ein schönes Beispiel dafür, wie groß doch noch der Unterschied zwischen einen DSLR-Bild, selbst bei einer Mega-Kamera wie der 5Ds R, und den speziellen Astrokameras ist.

Ich füge hier einmal das daraus entstandene Gesamt-Mondbild an:

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Das Original ist hier zu finden, da wieder kein Anklicken zum Sprung ins Originalbild funktioniert (Achtung: ca. 14 MB JPG):

http://www.diefotomaus.de/astro/mond151223+DMKinsets.jpg

Es lohnt sich auf jeden Fall, voll in das Bild hinein zu zoomen und ein wenig auf dem Mond spazieren zu gehen. Die Einsetzungen der DMK befinden sich alle entlang des rechten Schattenrandes und sind in der Nahansicht ohne Weiteres erkennbar an der deutlich größeren Detailschärfe.

Leider habe ich an dem Abend nicht noch mehr Randprofil aufgenommen. So geht das Projekt „Super-Mond“ in eine weitere Runde. Ziel ist ohne Zweifel, einmal einen Mond in dieser Größe allein aus Bildern der DMK zusammensetzen zu können. Was für eine Arbeit das werden würde, mag ermessbar sein, wenn man weiß, dass dazu wohl mehr als 60 Einzelvideos und daraus gewonnene Bilder für einen ganzen Mond nötig wären. Da muss er schon mal einen ganzen Abend für „stillhalten“…

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Wenn Planung und Glück zusammenfinden

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Während unseres Urlaubes im türkischen Bodrum vor einigen Wochen marschierte der Mond auf die Vollmondphase zu. In den Tagen davor wurde schon deutlich, dass sich dabei eine gute Möglichkeit ergeben würde, ihn zusammen mit einer Reihe alter Mühlen(ruinen), die Bodrum zugleich als Wahrzeichen dienen, in der Aufgangsphase zusammenzubringen. Und zwar genau zu der Zeit, wo der Mond noch nicht zu hell und das Umgebungslicht zu dunkel sein würde. Am Tag vor dem Vollmond habe ich einen solchen Versuch gestartet, aber ein Wolkenband ließ den noch zu blassen Mond erst sichtbar werden, als er schon etwas über den Mühlen stand. Immerhin waren so der richtige Platz und die ungefähre Zeit für den kommenden Tag klarer.

Gutes Wetter am 26. Oktober bot die Grundlage, mein zeitiger Aufbruch die beste Voraussetzung, nun konnte alles klappen. Vom höchsten Punkt der den Mühlen gegenüberliegenden Seite erwartete ich den Mond, der 15 Minuten später auch tatsächlich sichtbar wurde. Fast genau an der Stelle, die Google Sky voraussagte. Im steten Wechsel folgten nun Aufnahmen, wobei ich immer wieder schnell den Standort wechselte. Weil ich dabei bergab gehen konnte, gab es immer wieder neue „Aufgangsmotive“.

Zur Planung gesellte sich dann das Glück: An einer der Mühlen tauchten drei Menschen auf, die anscheinend auch die Szenerie fotografierten. Es gelang mir, sie mit Mühlen direkt vor dem Mond zu platzieren. Was eigentlich ein Nachteil war – ich hatte als längste Brennweite gerade einmal 105mm auf der neuen 5Ds R zur Verfügung -, erwies sich nun in der Perspektive als sehr passend. Das endgültige Bild musste dann natürlich ausgeschnitten werden, aber dazu bot die 5Ds R die idealen Voraussetzungen.

Ein seltenes Zusammentreffen vieler glücklich verlaufener Faktoren führte so zu dem Bild, dem ich schon lange hinterhergejagt bin:

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Für die Technikinteressierten: Aufgenommen bei 105mm, f:5,6 und 400 ASA mit 1/100 sec mit Stabilsator (bei der 5Ds R immer empfehlenswert, solange es unter 1/250 sec. geht).

Schaurig wunderschön

logo-brokhillDie Sonnenuntergänge besonders in Frühjahr und Herbst gehören mit zu den schönsten, die der Himmel zu bieten hat. Vorgestern war wieder ein solcher hier. Als die Sonne untergung, begann der Himmel sich langsam zu verfärben, bis er in ein leuchtendes Orange-Rot getaucht war. Im unterstehenden Bild festgehalten mit der neuen 5Ds R bei 24mm Brennweite.

wolken1Eigentlich ein wunderschöner Anblick, und doch irgendwie schaurig, wenn man genauer weiß, wie es zu diesem Bild gekommen ist. Dessen „Maler“ waren nämliche Dutzende von Flugzeugen, die den ganzen Tag über Kondensstreifen vor’s blaue All gesprüht hatten. Die hatten sich auseinandergezogen, verbreitert, zusätzliche Cirrusbildung angestoßen, allesamt aber nicht aufgelöst, sondern eher vermehrt zu Wolkenbildung geführt. An sich mächtig bedenklich, denn hier nimmt unsere Zivilisation sichtbar Einfluss auf Wetterbildung. Und wenn dann manchmal sogar zwei Flieger parallel in die selbe Richtung fliegen (oft allerdings mit unterschiedlichen Start-und Landepunkten) frage ich mich unwillkürlich, ob so viel Luftverkehr wirklich sein muss. Da würde ich lieber auf manch tolles Wolkenbild verzichten, wenn es dafür am Himmel „sauberer“ zugehen würde.

The new beast on the block

fotomauslogoSie ist angekommen: Kurzentschlossen haben wir einen Technik-Update vorgenommen und sind mit diesem wieder ganz vorn dabei, was im Moment Spitze der Aufnahmetechnologie ist. Zum Gerätepark gehört seit heute eine Canon 5Ds R. Ein echtes „Technik-Biest“ mit vor einigen Jahren noch für unmöglich gehaltenen 50,6 Millionen Pixeln in einer Vollformat-DSLR.

Warum der Sprung (von der auch schon sehr guten 5D II)? Weil die Auflösungsreserve an einigen Stellen eben doch den Unterschied macht. Zum Beispiel, wenn es darum geht, bei Großplakatproduktionen einen noch besseren (mittelformatvergleichbaren) Eindruck zu hinterlassen als bislang mit 21 Megapixeln. Aber auch, weil die Ausschnittsmöglichkeiten viel weitreichender sind; zudem bietet die Kamera „Zwischenauflösungen“, die aber immer noch über dem liegen, was bislang „topnotch“ war. Und auch deswegen, weil ein großes Filmnegativ-Archivierungsprojekt einfach nach bestmöglichen Auflösung verlangt, die nicht durch die Pixel, sondern bestenfalls das Filmkorn begrenzt wird. Bei Kleinbild ging das bisher schon recht gut bei 1:1 Maßstab mit den 21 Millionen Pixeln der 5DII, aber bei Mittelformat war dies unzureichend: Erst vier später wieder zu einem Bild zusammengefügte Aufnahmen konnten da kleinbildvergleichbare Qualität liefern, die nun mit der 5Ds R „oneshot“ möglich ist. Das spart Zeit, Geld, Reserven… Und weil Negative und die meisten anderen Objekte nicht sonderlich zu Moiré neigen, haben wir uns für die „R“-Version der 5Ds entschieden, also jene ohne das „Weichzeichnungsfilter“ und mit der heute größtmöglichen Auflösung.

050A1121_kNatürlich wollten wir den Unterschied mal mit eigenen Augen sehen. Herhalten musste als „real world“-Objekt ein Kaktus in der Fensterbank (weil der so schön still hielt) 😉 Das große Bild zeigt einen verkleinerten Ausschnitt aus der 5Ds R-Aufnahme. Im Vergleich dann ein original großer Ausschnitt aus der 5Ds R (links) im Vergleich zum selben Ausschnitt aus der 5DII, der zur gleichen Große natürlich auf etwa 200 Prozent hochgezogen werden musste. Nix aus dem Testlabor, aber doch schon ein ansehnlicher Vergleich, um die Unterschiede zu sehen. Das 5dS R-Bild ist einfach besser aufgelöst, was besonders gut an den feinen Pflanzenfäden zu erkennen ist. Selbst das Buket im unscharfen Bereich wirkt angenehmer. Für die ganz harten Technik-Freaks: Aufgenommen mit einem 70-200er II bei 165mm, f:5,6, 1/50 mit Stabi on, 800 ASA!

vergleichWie schrieb ein Rezensent im Internet über diese Kamera: Vorsicht, es besteht Gefahr, dass Sie manches Motiv von früher jetzt noch einmal neu aufnehmen wollen! Durchaus vorstellbar.

Bevor wir aber damit anfangen, haben Sie ja vielleicht einen Auftrag, bei dem es auf diese Auflösung ankommt. Negativdigitalisierung vielleicht, oder ein hauswandgroßes Bild? Sprechen Sie uns an, wir sind bestens für’s Ungewöhnliche gewappnet 🙂

Plane Spotting der anderen Art

logo-brokhill„Plane Spotter“ sind bekanntlich Flugzeug-Verrückte, die vornehmlich rund um große Airports den Fliegern auflauern, um von diesen gute, manchmal auch spektakuläre Bilder einzufangen. Das ist ansonsten nicht mein Metier, aber in einem Sonderfall lege ich mich dann auch mal auf die Jagd: Wenn der Mond günstig steht 😉

Das war am heutigen Einheitssonnabendmorgen mal wieder der Fall. Ein abnehmender Mond am stahlblauen Morgen- und Vormittagshimmel bot beste Voraussetzungen, um Flugzeuge am, im besten Fall auch vor dem Mond zu erhaschen. Wie bei der Jagd auf Wild hat das viel mit Geduld zu tun, und ein bisschen auch mit guter Vorausschau. Bei letzterer hilft ein Werkzeug wie Flightradar24, das mir früh genug „aussichtsreiche“ Kandidaten für einen Mondtreffer anzeigt. So musste ich nicht die ganze Zeit angstrengt aus dem Fenster schauen, sondern neben der Arbeit nur gezielt dann, wenn ein potenzieller Mondschussflieger herannahte.

IMG_7075_kDann kommt das Glück ins Spiel. Einen echten Treffer zu landen, ist einfach nur Glückssache, denn ein paar hunderte Höhenmeter Unterschied, oder die Flugbahn ein Stück zu weit westlich oder östlich, und aus dem Treffer wird eben nur ein naher Vorbeiflug. Wie im Fall dieses Lufthansa-Airbusses, der mit schönem Kondesstreifen heran-, aber eben auch knapp vorbeirauschte. Dann heißt es weiter warten. Und aufmerksam sein, denn Flightradar zeigt zwar die meisten, aber nicht alle Flieger an.

Und so kam der Treffer an diesem Sonnabendvormittag, 3. Oktober 2015 (im Übrigen beileibe nicht mein erster), unerwartet zustande, denn der nicht identifizierte Flieger tauchte ohne Vorwarnung auf – und düste vor dem Mond vorbei. Aus der dabei geschossenen Serie hier das beste Bild.

IMG_7094_kLeider waren die Temperatur- und Feuchtigskeitsschichtungen an diesem sonnigen Einheitstagsmorgen so geartet, dass erst bei mehr als 10.000 Metern Flughöhe auch kurze Kondensstreifen zu sehen waren. Dieser Flieger lag darunter und zog daher keinen Schweif hinter sich her, der die Begegenung bildlich sicher noch hätte schöner ausfallen lassen können. Technik bei allen Bildern im Übrigen eine Canon 5DII an einer 1000mm-Russentonne f:10 bei 1/250sec und 800 ASA, alles freihand! Das Bild wurde anschließend mit einem Flatfield von Vignetten befreit, gecropt und im Kontrast  angehoben. Die Unterschiedlichkeit der Farben hat mit dem jeweiligen Aufnahmezeitpunkt zu tun.

IMG_7116_kZu einem weiteren Treffer kam es dann nicht mehr, nur noch ein weiterer naher Vorbeiflug am inzwischen immer tiefer stehenden Mond, diesmal mit einem Flieger der Tunisian Airlines auf dem Weg nach Skandinavien.

Aufnahmen dieser Art sind – von der Notwendigkeit einer ziemlich langen Brennweite einmal abgesehen – einfacher als vielfach gedacht. Es bedarf angesichts des heute enorm dichten Flugverkehrs nur Geduld und des richtigen Monents am rechten Platz = Glück.

That „bloody“ red harvest moon

logo-brokhillSeit mehr als 40 Jahren befasse ich mich mit den Sternen, habe eine eigene Warte daheim, und in den vier Jahrzehnten neben totalen Sonnenfinsternissen auch zahlreiche Mondfinsternisse gesehen. An sich Voraussetzungen, die bei einem Ereignis wie der Finsternis vom vergangenen Montagmorgen (28. September) nach einer professionellen Vorbereitung schreien, mit der dann auch deutlich andere als die gemeinhin üblichen Bilder eines solchen Himmelsereignisses möglich gewesen wären. Doch damit war’s auch diesmal nichts.

In der Woche durch jede Menge unerwartete Arbeit keine Zeit, am Wochenende zu kapput, und das Wetter zu unsicher, mindestens hier im Norden, um für eine frühmorgendliche Finsternis am 1. Arbeitstag der Woche große Pläne zu schmieden. So blieb es wie oft bei der Improvisation: Standards gehen immer, die Sternwarte steht im Garten, und nach einem schnellen Blick zum Himmel kurz vor 3 Uhr MESZ war klar: Es würde was zu sehen sein, denn der angedrohte Nebel war noch nicht aufgezogen.

Spät bin ich in diIMG_7009_ke Beobachtung gestartet – der Mond war schon „angebissen“ – und habe dann einfach am Refraktor (180mm Linse mit 1600mm Brennweite = f:9) mit der Canon 5DII alle fünf Minuten Bilder gemacht.  Das links entstand gegen 3:30 Uhr und ist nur skaliert, ansonsten so wie aus der Kamera. Aufgenommen bei 400 ASA, 1/320 sec, widerstehen diese Bilder ansonsten gängigen Bearbeitungsversuchen insofern, dass diese die tatsächlich vorgefundenen Lichtverhältnisse verfälschen. Nur im unveränderten Bild ist so schön der Übergang in die Kernschattenzone mit dem davor noch liegenden, beinahe unscheinbaren Halbschatten zu sehen.

IMG_7008_kDer einzige Unterschied zur Beobachtung mit dem Auge liegt in der in einer Belichtung nicht abbildbaren Dynamik. Die Mondoberfläche im beleuchteten Teil verlangte eine 1/320 sec, der Kernschattenbereich war nicht schwarz, aber so dunkel, dass Strukturen erst ab etwa 1/10 sec. abgebildet werden konnten wie im nebenstehenden Bild, das zudem leicht aufgehellt ist, um es deutlicher zu machen. Eine Wiedergabe des visuellen Eindrucks wäre also nur mit einer Montage möglich.

In gewisser Weise gilt das noch extremer für die totale Phase, die zudem bei dieser Finsternis sehr dunkel war – bei mir zuletzt dann durch Nebel auch bis zur völligen Unsichtbarkeit 😉 Bilder während der Totalität bemessen sich trotz deutlich gesteigerter ASA-Werte dann immer noch in Sekunden statt Bruchteilen dieser.

IMG_7041_kDie nebenstehende Aufnahme entstand gegen 4:30 MESZ, also noch vor der Mitte der Totalität (dann wäre der helle Rand in etwa links unten am Mondrand gewesen). Bei nunmehr 1600 ASA war der Verschluss 5 Sekunden offen! Ein Unterschied von mehr als acht Blendenstufen zum ersten Bild oben, wenn ich richtig gerechnet habe. Die beiden Pünktchen über dem oberen Mondrand (nur im Großbild nach Anklicken zu sehen) sind keine Pixelfehler, sondern in der Tat zwei Sterne, von denen der linke wenig später hinter dem Mond verschwand.

Scharf wird ein solches Bild natürlich nur an einem motorisch nachgeführten Teleskop, denn der Mond bewegt sich, und die Erde dreht sich, beides muss eliminiert werden bei der Brennweite und Belichtungszeit.

Leider war’s danach wegen raschen Nebelaufzugs schon bald vorbei, was mich in dem Ansinnen bestätigte, keinen großen Aufwand zu treiben und mit dem einfach Möglichen von daheim zu arbeiten. Für die ganz großen Bilder ist in aller Regel auch ein sehr großer Aufwand erforderlich: Wer im Netz mal ein bisschen herumschaut, wird das bestätigt finden: Wirklich tolle Bilder mit Wow-Effekt haben meistens viel Planung und Mühen gekostet. Ist nun mal so. Bis zur nächsten Finsternis, das wird vermutlich mal wieder eine Reise zu einer totalen Sonnenfinsternis.

Astrogrüße diesmal

Rudolf

Kodak Technical Pan 6415 – kennen Sie den noch?

logo-brokhillAls Fotografierender, der sein Hobby zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts aufgenommen hat, habe ich über 30 Jahre Analogzeiten mitgemacht. Samt umfangreicher Dunkelkammererfahrung in SW und Farbe. Davon kommt man auch nach einem radikalen Schnitt Ende der 90er nicht so einfach los, und irgendwann im letzten Jahr juckte es gewaltig, mal wieder was auf Film zu machen. Ein paar davon hatte ich noch in einer Schuhschachtel aufgehoben – man weiß ja nie 😉 Inzwischen fotografiere ich neben digital hin und wieder auch gern mal analog. Und um der Sache einen eigenständigen Sinn zu geben, ausschließlich Schwarz-Weiß und mit höchstauflösenden Filmen.

Da fanden sich in dem Karton neben KB-Filmen auch sechs Packungen eines legendären Materials: 120er Rollfilme Kodak Technical Pan 6415! Für die Kleinbildfilm habe ich mir meine guten alten Canon F1-Modelle für kleines Geld wieder ins Haus geholt; allein das nostalgische Gefühl, sie in der Hand zu halten, hat schon was…  Für die Rollfilme musste was anderes her, und nach kurzer Marktsondierung wurde es ein echter Brecher: eine Mamiya RB 67 mit einem 65 und einem 127mm-Objektiv. Eine ganz andere Welt der Fotografie.

2015_09_18_0001bNun war der erste Technical Pan in der Kamera (an die ich mich vorher mit anderen Filmen wie Agfapan schon mal gewöhnt hatte). Da ich meine Kleinbildfilme entweder in Ultrafin bzw. die speziellen Adox CHS 20 in Adotech II-Entwickler bade, suchte ich im Internet nach Lösungen für den Tech Pan, fand aber keine brauchbaren Hinweise darauf, dass der Adotech mit ihm zusammen was Sinnvolles ergibt – und vor allem bei welchen Zeiten und ASA. Selbst der Hersteller der Chemie antwortete nicht einmal auf eine Nachfrage…

Also: Versuch macht klug. Ich habe es gewagt, und dabei wie so oft früher lieber etwas mehr als zu wenig gemacht. 10 Minuten in der normalen Ansatzlösung sind beim Adox gut für etwa 20 ISO, da der Tech Pan fast so belichtet worden war (25 ASA), habe ich das als Mindestmarke genommen. Im Ergebnis war das aber schon deutlich zu satt, die hellsten Bildteile sind im Negativ fast dicht. Besser wären 8 bis 8,5 Minuten gewesen, vielleicht auch eine ISO höher als 25 ASA an der Kamera, wie eigentlich am Film auch angegeben. Da der aber Ablauf November 1993 hatte, war ich von einem Empfindlichkeitsverlust ausgegangen, der vielleicht gar nicht eingetreten ist…? Der nächste Film wird’s zeigen.

Natürlich habe ich für die Analog-Exkursionen keine Dunkelkammer wieder eingerichtet. Die Negative werden auf einer Leuchtplatte (noch Marke billig, aber wegen Defekts gerade in Ersatz durch was Besseres) abfotografiert und dann elektronisch in Lightroom und PS weiterverarbeitet. Das gesamte 6×7-Negativ hat hier im Ergebnis der Canon 5DII 22 Milionen Pixel. Die können natürlich die vollen Fähigkeiten eines TP niemals wiedergeben, das Korn ist feiner als die Pixelmatrix. Unschärfen im (für das Internet zudem verkleinerten) Bild oben sind dabei eher auf die Freihandaufnahme zurückzuführen als auf den Film.

2015_09_18_0003bUm die Grenzen auszuloten, habe ich daher auch noch einen Ausschnitt mit dem 100er-Makro bei 1:1 aufgenommen, ich musste dabei vier Bildteile aufnehmen, um wieder das Ganze zu erhalten. Dergleichen Verfahren hat aus einem 6×7-Negativ eine rund 45 Millionen Pixel große Digitaldatei gemacht. Was in etwa einem echten Mittelformat adäquat wäre. Am – zudem leicht geschärften und kontrastbearbeiteten – Ausschnitt in Originalauflösung ist schon zu erahnen, welch ungeheures Potenzial an Detailauflösung in einem solchen Negativ dieses Films und bei dieser Größe steckt. Nun ist auch das Korn erkennbar.

Das Experimentieren geht natürlich weiter, wobei neben dem technischen Bereich vor allem die ganz andere Art, sich sehr viel Zeit zu nehmen, viel gezielter Motiv und Moment auszusuchen, den Reiz ausmacht. Gekoppelt mit den Nachbearbeitungsmöglichkeiten moderner Digitaltechnik schafft es eine neue Form der Hybridfotografie.

Wen das Motiv interessiert: Das Bild entstand im am Pfingstsonnabend dieses Jahres im polnischen Lagow (Lebuser Land, Nähe Swiebodzin) bei einer Nostalgiefahrt der polnischen Eisenbahnfreunde mit der 49-69 auf der eigentlich längst stillgelegten Strecke, die aber für solche Fahrten bis zu dreimal im Jahr noch genutzt wird. Wer mehr darüber wissen möchte: Suchwort „Joannita Perla“ eingeben.

Analogen Gruß

Rudolf