„365“ – das erste Halbjahr ist rum

181 Bilder bis zum 30. Juni seit Jahresanfang. Jeden Tag eines. Was ist die Halbzeitbilanz?

Ganz anders, als ich es mir vorgestellt hätte. Die Idee zum Projekt wurde im Dezember konkret. Das ist eine zwar lebendige Zeit, aber wegen des Winters gut geeignet, an langen Abenden kreative Ideen zu pflegen. Die ersten Wochen liefen zwar noch nicht ganz flüssig, ich musste mich zuerst einmal daran gewöhnen, jeden Tag an ein Bild zu denken, aber im Januar und Februar ging das noch ganz gut. Wenngleich manchmal erst spät abends, als der Gedanke ans Projekt vor dem Schlafengehen vorbeischaute…

Trotzdem war es erstaunlich, auf welch Fotoideen ich dann dabei so kam. Tatsächlich stellte ich auch fest, dass sich der Blick für mögliche Fotoziele veränderte und seinen Platz im Tagesgeschehen bekam. Dennoch gab es Tage, an denen sich ein Motiv erst nach einiger Nachsuche einstellte, wozu oft das heimische Umfeld herhalten musste.

Von Anfang an eine zentrale Rolle nahm die Smartphone-Kamera in dem Projekt ein. Zu  einen mit der recht guten Kamera des LG G4 sowie der App Retrica, die einige gut brauchbare kreative Filter besitzt und zudem eine Datumseinblendung integriert hat. Viele Fotogelegenheiten konnte ich damit wahrnehmen, weil das Handy einfach fast immer dabei ist.

Deutlich seltener schon die Bilder, die von der DSLR beigesteuert wurden. Manches aber ließ sich dann doch nur damit gut bewerkstelligen, wie zum Beispiel langbelichtete Himmelsaufnahmen oder Fotos mit langen Brennweiten. Einige Beispiele dazu entstanden im Februar. Ein Bild entspricht dabei auch dem, was man als „konzeptionelle Fotografie“ bezeichnen würde.

Im März ergaben sich erste Veränderungen. Angestoßen durch einen anderen Umstand, eine Veränderung am Arbeitsplatz, wurde der Faktor Zeit knapper. Das machte auch das Fotografieren schwieriger. Oft fand ich erst abends die Zeit, über mögliche Motive nachzudenken, am Tage hatte ich immer seltener einen Blick dafür. Und gleich am 4. März war es dann zum ersten Mal passiert: Ich hatte an dem Tag mein Bild vergessen. Das Projekt in Frage zu stellen, stand für mich da noch nicht zur Debatte. Ich habe an dem Tag das „Blackout-Bild“ eingesetzt.

Einfacher wurde alles auch im März nicht. Meine Hoffnung, dass es im Frühjahr leichter würde, erfüllte sich leider nicht. Auch das Wetter zeigte sich nicht sehr kooperativ. Gleich wieder in den ersten Apriltagen der zweite Aussetzer. Nun kamen in der Tat Zweifel auf, ob das Projekt überhaupt noch Sinn mache. Bestärkt, weiterzumachen, hat mich unter anderem meine Frau.

Über Ostern ging es an den Gardasee. Diese Zeit bewies, wie anders alles ist, wenn genug Zeit und Ruhe da ist. Plötzlich gab es für jeden Tag nicht  nur ein Bild, sondern meistens eine schöne Auswahl vieler. Das machte mal richtig Spaß und erbrachte auch ein paar schöne Ergebnisse.

Daheim hatten mich die alten Probleme aber schnell wieder im Griff. An mehreren Tagen musste ich sozusagen auf die letzte Minute noch mein Bild sicherstellen. Das war eigentlich so nicht geplant. Am 2. Mai habe ich dann erstmals die Regel aufgeweicht, nur ein Bild zu nehmen, das an selben Tag entstanden ist. Statt dessen gab es zwei schöne vom 3. Mai, eines habe ich dann dem 2. Mai „abgegeben“, an dem ansonsten keines entstanden war. Auf diesen „Kunstgriff“ musste ich inzwischen mehrfach zurückgreifen, sonst wäre das Projekt schon beendet gewesen. Aber letztendlich mach ich mir ja die Regeln selbst 😉  Und fand es dann doch zu schade, deswegen abzubrechen.

Im Mai habe ich an mehreren Tagen auf Bilder aus meiner täglichen Arbeit zurückgegriffen. Dort fotografiere ich oft, aber vielfach Dinge, die sich eher weniger für das Projekt eignen. Das eine oder andere ging doch.

Der Juni brachte enorme Arbeitsbelastungen mit sich, aber auch ein paar schöne Motive. Und so sind es bis zum 30. Juni einschließlich dann eben 181 Bilder geworden. Darunter drei „Blackouts“.

Was habe ich bisher gelernt?

  1. Ein Jahresprojekt ist anspruchsvoll, schwieriger als gedacht, und in der konsequenten Durchführung bedarf es vermutlich auch einer besseren Vorbereitung.
  2. Ich fotografiere weniger, als ich es vorher eingeschätzt hätte. Das hat mich bedeutend öfter als erwartet in die Lage gebracht, kurzfristig spät am Tag noch nach einem Motiv zu schauen.
  3. Das hat ein Stückweit das fotografische Sehen tatsächlich geschärft. Ein Effekt, den ich mir von dem Projekt an sich erhofft hatte. Ich sehe jetzt Dinge, auf die ich vorher so nicht geachtet hätte.
  4. „Durchhalten“ ging nur mit Aufweichen der zuerst gesetzten Grundregeln.
  5. Trotzdem empfinde ich das Projekt weiterhin als lohnend, weil über die lange Strecke doch in der Gesamtbetrachtung eine interessante Jahressammlung herauskommen kann. Mindestens das erste Halbjahr bestätigt das bereits.

Deshalb wird es auch weitergehen. Zumal jetzt die Urlaubszeit bevorsteht, in der dann wieder einmal viel Zeit zum Bildermachen sein sollte. Dann geht alles etwas einfacher von der Hand.

Die Updates werde ich – wie in den letzten zwei Monaten schon – aber nur alle Woche oder spätestens nach zweio Wochen machen. Auch dazu fehlte es oft an der notwendigen Zeit, die auch eine ständige Pflege dieses Projektes nun einmal verlangt.

Meinen bisher stillen Zuschauern wünsche ich weiter viel Spaß und würde mich noch mehr freien, mal ein Feedback zu bekommen. Gleich welcher Art.

Blende frei!

Rudolf

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s