Kodak Technical Pan 6415 – kennen Sie den noch?

logo-brokhillAls Fotografierender, der sein Hobby zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts aufgenommen hat, habe ich über 30 Jahre Analogzeiten mitgemacht. Samt umfangreicher Dunkelkammererfahrung in SW und Farbe. Davon kommt man auch nach einem radikalen Schnitt Ende der 90er nicht so einfach los, und irgendwann im letzten Jahr juckte es gewaltig, mal wieder was auf Film zu machen. Ein paar davon hatte ich noch in einer Schuhschachtel aufgehoben – man weiß ja nie 😉 Inzwischen fotografiere ich neben digital hin und wieder auch gern mal analog. Und um der Sache einen eigenständigen Sinn zu geben, ausschließlich Schwarz-Weiß und mit höchstauflösenden Filmen.

Da fanden sich in dem Karton neben KB-Filmen auch sechs Packungen eines legendären Materials: 120er Rollfilme Kodak Technical Pan 6415! Für die Kleinbildfilm habe ich mir meine guten alten Canon F1-Modelle für kleines Geld wieder ins Haus geholt; allein das nostalgische Gefühl, sie in der Hand zu halten, hat schon was…  Für die Rollfilme musste was anderes her, und nach kurzer Marktsondierung wurde es ein echter Brecher: eine Mamiya RB 67 mit einem 65 und einem 127mm-Objektiv. Eine ganz andere Welt der Fotografie.

2015_09_18_0001bNun war der erste Technical Pan in der Kamera (an die ich mich vorher mit anderen Filmen wie Agfapan schon mal gewöhnt hatte). Da ich meine Kleinbildfilme entweder in Ultrafin bzw. die speziellen Adox CHS 20 in Adotech II-Entwickler bade, suchte ich im Internet nach Lösungen für den Tech Pan, fand aber keine brauchbaren Hinweise darauf, dass der Adotech mit ihm zusammen was Sinnvolles ergibt – und vor allem bei welchen Zeiten und ASA. Selbst der Hersteller der Chemie antwortete nicht einmal auf eine Nachfrage…

Also: Versuch macht klug. Ich habe es gewagt, und dabei wie so oft früher lieber etwas mehr als zu wenig gemacht. 10 Minuten in der normalen Ansatzlösung sind beim Adox gut für etwa 20 ISO, da der Tech Pan fast so belichtet worden war (25 ASA), habe ich das als Mindestmarke genommen. Im Ergebnis war das aber schon deutlich zu satt, die hellsten Bildteile sind im Negativ fast dicht. Besser wären 8 bis 8,5 Minuten gewesen, vielleicht auch eine ISO höher als 25 ASA an der Kamera, wie eigentlich am Film auch angegeben. Da der aber Ablauf November 1993 hatte, war ich von einem Empfindlichkeitsverlust ausgegangen, der vielleicht gar nicht eingetreten ist…? Der nächste Film wird’s zeigen.

Natürlich habe ich für die Analog-Exkursionen keine Dunkelkammer wieder eingerichtet. Die Negative werden auf einer Leuchtplatte (noch Marke billig, aber wegen Defekts gerade in Ersatz durch was Besseres) abfotografiert und dann elektronisch in Lightroom und PS weiterverarbeitet. Das gesamte 6×7-Negativ hat hier im Ergebnis der Canon 5DII 22 Milionen Pixel. Die können natürlich die vollen Fähigkeiten eines TP niemals wiedergeben, das Korn ist feiner als die Pixelmatrix. Unschärfen im (für das Internet zudem verkleinerten) Bild oben sind dabei eher auf die Freihandaufnahme zurückzuführen als auf den Film.

2015_09_18_0003bUm die Grenzen auszuloten, habe ich daher auch noch einen Ausschnitt mit dem 100er-Makro bei 1:1 aufgenommen, ich musste dabei vier Bildteile aufnehmen, um wieder das Ganze zu erhalten. Dergleichen Verfahren hat aus einem 6×7-Negativ eine rund 45 Millionen Pixel große Digitaldatei gemacht. Was in etwa einem echten Mittelformat adäquat wäre. Am – zudem leicht geschärften und kontrastbearbeiteten – Ausschnitt in Originalauflösung ist schon zu erahnen, welch ungeheures Potenzial an Detailauflösung in einem solchen Negativ dieses Films und bei dieser Größe steckt. Nun ist auch das Korn erkennbar.

Das Experimentieren geht natürlich weiter, wobei neben dem technischen Bereich vor allem die ganz andere Art, sich sehr viel Zeit zu nehmen, viel gezielter Motiv und Moment auszusuchen, den Reiz ausmacht. Gekoppelt mit den Nachbearbeitungsmöglichkeiten moderner Digitaltechnik schafft es eine neue Form der Hybridfotografie.

Wen das Motiv interessiert: Das Bild entstand im am Pfingstsonnabend dieses Jahres im polnischen Lagow (Lebuser Land, Nähe Swiebodzin) bei einer Nostalgiefahrt der polnischen Eisenbahnfreunde mit der 49-69 auf der eigentlich längst stillgelegten Strecke, die aber für solche Fahrten bis zu dreimal im Jahr noch genutzt wird. Wer mehr darüber wissen möchte: Suchwort „Joannita Perla“ eingeben.

Analogen Gruß

Rudolf

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